Münster – Großstadt mit überraschend mittelalterlicher Atmosphäre

Zu den außergewöhnlichsten Städten Deutschlands gehört Münster – zumindest, was die Architektur betrifft. Denn die meisten Straßenzüge wirken historisch und die Skyline prägen weder wirklich hohe Mietshäuser noch Wolkenkratzer, die es in die Top 100 der höchsten Bauten Deutschlands geschafft hätten. Vielmehr bestimmen Kirchtürme, Giebel- und Einfamilienhäuser, Villen und flache Wohnblocks das Stadtbild, vieles davon in Backsteinbauweise errichtet. Raffinierte Konstruktionen aus Stahl, Glas und Beton integrierten die Architekten dann so in ihr jeweiliges Umfeld, dass ein harmonisches Ganzes entstand. Dass typische Arbeiterviertel fehlen, erklärt sich aus der Geschichte von Münster. Schon immer bestimmten Handel, Verwaltungsaufgaben und Bildungseinrichtungen die Wirtschaft der Stadt in Nordrhein-Westfalen. Heute entwickelt sich die Universitätsstadt zunehmend zu einem Zentrum von Finanzdienstleistungen sowie der Bio- und Nanotechnologien. Neben modernen Einkaufspassagen bietet Münster mit seinen mehr als 300.000 Bewohnern – darunter ein Großteil der etwa 55.000 Studenten – eine sehr facettenreiche Kultur- und Kneipenlandschaft. Und vor allem gibt es viel zu sehen.

Allein in der Innenstadt findet man 15 Kirchen aus unterschiedlichen Epochen, im Stadtgebiet zahlreiche weitere Sakralbauten. Eines der markantesten Kirchgebäude steht mit dem römisch-katholischen St.-Paulus-Dom auf dem Domplatz im Herzen der Altstadt. Zu den Besonderheiten des mit faszinierenden Glasfenstern, wertvollen Epitaphen und vielen anderen sehenswerten Elementen ausgestatteten Doms gehört, dass sich auch in den beiden Türmen mehrere Kapellen befinden. Mit der spätgotischen Lambertikirche, der barocken Clemenskirche und der gotischen Überwasserkirche stehen drei weitere bedeutende Münsteraner Sakralbauten in unmittelbarer Umgebung des Doms. Den Prinzipalmarkt erreicht man vom Dom in wenigen Schritten. In diesem Straßenzug zwischen der Lambertikirche und dem prägnanten Stadthausturm reihen sich schmuckvolle, unterschiedlich gestaltete Giebelhäuser mit diversen Arkadengängen aneinander, darunter das Historische Rathaus. Westlich des Doms stößt man auf den Schlossplatz mit der im Barockstil wiederaufgebauten fürstbischöflichen Residenz. Das einstige Schloss ist Sitz der Westfälischen Wilhelms-Universität, die im ehemaligen Schlosspark bereits 1803 den öffentlich zugänglichen Botanischen Garten mit heute rund 80.000 Pflanzenarten anlegte.

Wo einst innerer Befestigungsring und Wassergraben um die Innenstadt von Münster verliefen, zieht sich jetzt ein grüner Ring um das historische Viertel – die am Schlossplatz vorbeiführende Promenade. Entlang dieses knapp fünf Kilometer langen, von Linden gesäumten Rad- und Fußweges entdeckt man einige weitere Sehenswürdigkeiten wie Zwinger, Buddenturm, Torhäuser und das im Stil der Neorenaissance erbaute Gebäude des Landesarchivs. Ebenso vielfältig wie die Architektur ist Münsters Museumslandschaft. Diverse Sammlungen befassen sich mit geschichtlichen Themen. Eine der außergewöhnlichsten ist unweit des Allwetterzoos das Mühlenhof-Freilichtmuseum im westlichen Stadtteil Sentrup. Auf diesem Areal versammeln sich etwa 30 typisch westfälische Gebäude aus verschiedenen Jahrhunderten, viele von ihnen nach dem Abbau am Originalstandort im Museum wieder aufgebaut. Eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Stadt befindet sich in der Altstadt: das Kunstmuseum Pablo Picasso. Weltweit seinesgleichen sucht, was das an der Promenade angesiedelte Museum für Lackkunst zeigt. Die etwa 1.000 bis zu 2.000 Jahre alten Exponaten stammen aus verschiedenen Kulturkreisen. Neben all dem, was Münster selbst bietet, lohnt sich ein Ausflug ins Umland, wo im weitgehend flachen Münsterland neben einer Vielzahl architektonischer und kultureller Schätze auch herrliche Wanderrouten warten.

Lübeck – traditionsbewusste Hansestadt an der Ostsee

Zu den reizvollsten Orten an der Ostsee zählt die Hansestadt Lübeck in Schleswig-Holstein. Insbesondere die mittelalterliche Altstadt versetzt zurück in die Zeit, da Lübeck als „Königin der Hanse“ eine bedeutende Rolle im Handel über die Ostsee zukam. Einen großen Teil dieses Viertels durchziehen noch heute enge, mit sogenannten Buden bebaute Gänge und Höfe. Zahlreiche Bauten, beispielsweise entlang der Wahm- und der Hüxstraße, erinnern mit ihren hansetypischen Fassaden und Giebeln an die Lübecker Kaufleute. Auch Lübecks vermutlich bekannteste Straße, die Mengstraße, befindet sich in der Altstadt. Thomas Mann ließ diesen Straßenzug mit seinen „Buddenbrooks“ unsterblich werden. Während sich hinter Hausnummer 4 das Buddenbrookhaus mit Ausstellungen über den Roman und die Familie Mann verbirgt, erzählen auch viele der anderen Bürger- und Kaufmannshäuser interessante Geschichten, für die es sich lohnt, sich einer Stadtführung anzuschließen. Vom Lübeck-Kenner erfährt man dann zum Beispiel auch, dass das 1478 fertiggestellte Holstentor von Anfang nicht nur Verteidigungszwecken diente. Vielmehr sollte die mächtige Doppelturmanlage mit den Kegeldächern auch den Reichtum Lübecks – zur Zeit des Baus eine der mächtigsten Städte im Ostseeraum – präsentieren.

Schaut man sich Lübecks Wahrzeichen genauer an, fällt die Neigung des Südturms auf, der sogar einzusinken scheint. Ursache für diesen „schiefen Turm“ ist, dass die als Pfahlbauten auf Morast errichteten Türme tatsächlich über einige Jahrhunderte absackten, was aber in den 1930er Jahren gestoppt werden konnte. Mehr aus der Geschichte zeigt übrigens das interaktive Museum im Inneren des Holstentors. Neben dem Holstentor beherbergt die Hansestadt an der Trave natürlich noch einige weitere charakteristische Bauten. Einer davon ist das Rathaus, dessen Bau 1230 begann und erst 1570 abgeschlossen wurde. Entsprechend interessant ist das aus mehreren Bereichen bestehende Gebäude, zu dessen Highlights die Arkaden, der hölzerne Erker und die überdachte Sandsteintreppe gehören. Zu den besonderen Lübecker Gebäuden zählen neben diversen Wohnstiften auch Behn- und Drägerhaus, die Salzspeicher aus dem 16. bis 18. Jh., das Haus der Kaufmannschaft mit seinen prunkvollen Sitzungssälen und das Gebäude der Lübecker Schiffergesellschaft. Unverwechselbar auch das Heiligen-Geist-Hospital mit dem Glockenspiel, 1284 in für Norddeutschland typischer Backsteingotik errichtet.

Ebenfalls echte Hingucker sind die Lübecker Kirchen, allen voran die majestätische Marienkirche sowie der faszinierende Dom zu Lübeck, der 1247 geweiht wurde. Dieser 130 Meter lange Backsteinbau war die erste Backsteinkirche an der Ostsee. Einen Besuch wert ist darüber hinaus das 1229 von Dominikanern gegründete Burgkloster, heute eines der kulturellen Zentren der Hansestadt. Natürlich lässt es sich in Lübecks historischem Zentrum auch nach Herzenslust shoppen. Während sich in Fleischhauer- und Hüxstraße vor allem viele kleine, inhabergeführte Läden mit buntem Sortiment tummeln, stößt man auf der Breiten Straße auf zahlreiche Boutiquen und Modeketten sowie in der Königstraße unter anderem auf ein großes Kaufhaus. Wer zwischendurch mal etwas ausruhen möchte, kann sich in eines der zahlreichen Cafés setzen – oder sich zum Picknick in einem der Parks rund um die Altstadt niederlassen. Herrliche Plätzchen findet man beispielsweise am Krähenteich in den Wallanlagen, im Stadtpark oder im Malerwinkel direkt an der Trave. Schöne Sandstrände und ein Leuchtturm warten in der Ostseestadt Lübeck natürlich auch, im wenige Kilometer von der Altstadt entfernten Seebad Travemünde in der Lübecker Bucht, das einschließlich der Halbinsel Priwall bereits seit dem 14. Jh. zur Stadt gehört.

Freiburg im Breisgau – Badens altehrwürdige Hauptstadt

Bevor sich der Freistaat Baden im Jahr 1952 mit Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern zum heutigen Bundesland Baden-Württemberg zusammenschloss, war Freiburg im Breisgau Deutschlands südlichste Landeshauptstadt. Südlichste Großstadt ist Freiburg mit gut 220.000 Einwohnern bis heute geblieben, Landeshauptstadt aber nicht mehr. Die Stadt liegt am Fluss Dreisam, im Dreiländereck zu Frankreich und der Schweiz. Dass Freiburg den innerdeutschen Rekord als Großstadt mit dem größten Höhenunterschied innerhalb der Stadtgrenzen hält, wird jedem spätestens beim Erkunden des Ortes klar: Zwischen den westlichen Stadtvierteln und der Spitze des 1.284 Meter hohen Hausberges namens Schauinsland im südöstlichen Stadtgebiet liegen immerhin rund 1.000 Meter. Im Stadtgebiet selbst geht es allerdings keinesfalls nur bergauf und bergab. Und auch hinauf auf den Berg kommt man wirklich entspannt. Rund 20 Minuten dauert die 3,6 Kilometer lange Fahrt mit der Schauinslandbahn, bei der man 746 Höhenmeter überwindet. Im Juli 1930 als weltweit erste Großkabinen-Umlauf-Seilbahn in Betrieb genommen, ist die Seilbahn heute Deutschlands längste Umlauf-Seilbahn. Von der Bergstation auf 1.220 Metern sind es dann nur noch wenige Meter bis auf den Berggipfel mit dem Schauinslandturm, der den Blick über Freiburg, das Rheintal, den Schwarzwald, die Schweizer Alpen und – gute Sicht vorausgesetzt – sogar bis in die Vogesen freigibt.

Für alle, die Lust auf eine kurze Wanderung haben, bietet sich der Gipfelrundweg an, der von der denkmalgeschützten Bergstation über mehrere Routen führt. Entlang der Strecke stößt man oberhalb von Hofsgrund auf das Museumsbergwerk und den 1593 erbauten Schniederlihof, ein Bauernhausmuseum, in dem man sich in das beschwerliche Leben der Schwarzwälder Bergbauern in früherer Zeit hineinversetzen kann. In der kleinen Wirtschaft des Hofes kann man sich sogar mit einigen Kleinigkeiten stärken. Doch nicht allein der herrlichen Umgebung wegen lohnt es sich, in Freiburg einige Tage zu verbringen. Die Stadt selbst lockt mit viel Sehenswertem. Das ab etwa 1200 im gotischen Stil errichtete Münster – Wahrzeichen der Stadt – steht in der Altstadt am gleichnamigen Platz, den zahlreiche Restaurants und Cafés säumen. Freiburgs bedeutendsten Sakralbau zieren ein eindrucksvoller, 116 Meter hoher Turm, Jahrhunderte alte Glasfenster, eine wertvolle Innenausstattung sowie eine vierteilige Orgelanlage. Neben weiteren Kirchen bekommt man in Freiburg auch das Erzbischöfliche Ordinariat, mehrere Klöster und die erst 1988 eingeweihte Neue Synagoge zu Gesicht.

Immer wieder fallen dem Nicht-Freiburger auch die kleinen Kanäle auf, die sich – mal mitten auf der Straße, mal dicht am Bordstein – überall durch die Stadt ziehen. Das sind die Bächle, die nachweislich seit dem Mittelalter Teil der Freiburger Wasserversorgung waren und dazu Regenwasser aus der Stadt ableiteten. Diese kleinen Kanäle verbinden die Einheimischen übrigens mit so manchem Aberglauben: So waschen sie am Aschermittwoch darin ihre Geldbörsen aus – in der Hoffnung, dass ein Geldsegen folgt. Außerdem heißt es, dass, wer aus Versehen in ein Bächle tritt oder gar darin stolpert, später jemanden heiratet, der in Freiburg geboren wurde. Also Augen auf beim Stadtbummel! Ganz gleich, ob der über den belebten Augustinerplatz mit seinem Biergarten, den Rathausplatz mit Altem und Neuen Rathaus, den Europaplatz mit Theater und -café oder über den Karlsplatz geradewegs ins Altstadtviertel führt … Einige riesige Shoppingmeile findet man in Freiburg natürlich auch, und zwar die verkehrsberuhigte Kaiser-Joseph-Straße – kurz einfach Kajo genannt. Sie zieht sich durch die historische Altstadt. Ja, und dann gibt es natürlich auch noch diverse Museen mit vielfältigen Sammlungen, die von historischen Themen bis hin zu unterschiedlichsten Kunstwerken reichen.

Fischland-Darß-Zingst – reetgedeckte Häuser, Strände und salzige Luft

Reetgedeckte Fischerhäuser. Weiße Sandstrände am Meer. Mit Strandhafer bewachsene Dünen. Schreiende Möwen. Salzige Meeresluft. Urige Wälder. Boddenlandschaft. Kraniche. Museen. Galerien und Ateliers. Radwanderwege … Die gut 40 Kilometer lange Ostsee-Halbinsel Fischland-Darß-Zingst wartet im Nordosten Deutschlands mit allem auf, was man zur Erholung so braucht. Über Altheide bei Ribnitz-Damgarten oder über Barth und die Brücke über den Meiningenstrom gelangt man mit dem Auto bequem auf die Halbinsel. Zu den bekanntesten Orten zählen die Ostseebäder Wustrow, Ahrenshoop, Prerow und Zingst sowie Born und Wieck am Bodden. Fährt man über Altheide, so erreicht man kurz hinter dem Ostseebad Dierhagen als Erstes das Fischland, die westlichste von einst drei Inseln, die erst durch Aufschüttungen und Deichanlagen zum Teil des Festlandes wurden. Die gesamte Seeseite säumen feine Sandstrände, die flach zum Meer abfallen und nahezu frei von Steinen sind. Auf dem Fischland liegen die Ostseebäder Wustrow (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Halbinsel westlich von Rerik!) und Ahrenshoop. Wie alle Ortschaften auf der Halbinsel bestehen beide nach Eingemeindung umliegender Dörfer aus mehreren Ortsteilen.

Im Wustrower Ortskern stehen noch einige historische Kapitänshäuser, reetgedeckte Katen, ein etwa 200 Jahre altes Hochdielenhaus sowie das ehemalige Kaiserliche Postamt – heute Sitz der Touristinfo. Markantestes Bauwerk ist die 1873 geweihte neugotische Kirche mit der öffentlich zugänglichen Turmgalerie, die einen herrlichen Rundumblick ermöglicht. Schaut man von oben in die Umgebung von Wustrow, so sieht man, dass der Ort im Norden an die Ostsee und im Süden direkt an den Bodden grenzt. Mit etwas Glück bekommt man im Wustrower Hafen oder auf dem Wasser auch traditionelle Zeesenboote mit den markanten rotbraunen Segeln zu Gesicht, früher Arbeitskähne der Boddenfischer. Vor allem im Sommer erlebt Wustrow zahlreiche Feste. Zu den außergewöhnlichen gehören der Fischländer Strandgalopp im April, Zeesbootregatta und Tonnenabschlagen im Juli sowie das Seebrückenfest im August. Kunstkennern ein Begriff sein dürfte wegen seiner Künstlerkolonie das Ostseebad Ahrenshoop. In der kleinen Gemeinde endet das Fischland – jenseits des Grenzweges im Ort liegt schon der Darß.

Dass es seit Anfang des 19. Jh. zahlreiche Künstler nach Ahrenshoop zog, spiegelt sich in der besonderen Atmosphäre des Ortes mit seinen vielen schmucken Häusern bis heute wider: Kunstkaten, Bunte Stube, Dornen- und Dünenhaus, Galerie Alte Schule – nur einige der in Ahrenshoop besonders zahlreichen Anlaufstellen für Kunstinteressierte. Absolutes Highlight auf dem Darß ist die Prerower Bucht mit dem gleichnamigen Ostseebad. Kilometerweit zieht sich hier ein bis zu 80 Meter breiter Puderzuckerstrand die sanfte Ostsee entlang, der neben Textil- und FKK-Bereich auch einen Zeltplatz direkt in den Dünen beherbergt. Ganz anders sieht der mit Steinen durchmischte Prerower Weststrand aus, an dem fast immer Wellengang herrscht. Auf der Boddenseite des Darß‘ befinden sich Born und Wieck, zwei beschauliche Fischerdörfer mit romantischen Häfen. An den Darß schließt sich dann über eine etwa 100 Meter breite Landbrücke der Zingst an. Als erstes stößt man auf das gleichnamige Ostseebad, das neben Prerow einen der schönsten Strände der Halbinsel hat. Am Ortsrand von Zingst beginnt die Kernzone des „Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft“, für seine abwechslungsreiche Landschaft und insbesondere als Rastplatz von Kranichen weit über die Region hinaus bekannt. Zum Kranichzug im Herbst lädt das Kranich-Informations-Zentrum Groß Mohrdorf zu Führungen ein. Wer gern in der Natur unterwegs ist, findet auf der flachen Halbinsel ein gut ausgebautes Netz an Rad- und Wanderwegen mit verständlicher Beschilderung.

Sauerland – ein Naturparadies, vor allem für Wanderer

Darüber, wo genau die Grenzen des Sauerlandes verlaufen, gibt es recht unterschiedliche Ansichten. Schließlich handelt es sich ja weder um ein Bundesland noch um eine andere politisch definierte Region oder ein geologisch fixiertes Areal. Ein Blick in die Geschichte hilft vielleicht dennoch etwas weiter. Der Landschaftsname geht nämlich auf das Suderland in dessen niederdeutscher Form „Suerland“ zurück. Bezeichnet wurde damit im späten Mittelalter eine Region, die sich von beiden Ufern der mittleren und unteren Lenne – einem Nebenfluss der Ruhr – ins Land zog. Später gehörte auch das Gebirgsland im Süden Westfalens im Selbstverständnis der Einheimischen zum Sauerland. Außen vor blieben dabei stets Sieger- und Wittgensteiner Land. Bis heute unterscheiden die Bewohner des Sauerlandes übrigens zwei historisch gewachsene Regionen: Das evangelisch geprägte märkische Sauerland erstreckt sich südlich der Ruhr zwischen Hochsauerland und Bergischem Land in den Grenzen der einstigen Grafschaft Mark. Das katholisch dominierte kurkölnische Sauerland liegt südlich der Möhne in den Grenzen des früheren Herzogtums Westfalen. Allgemein gilt der nordöstliche Bereich des Rheinischen Schiefergebirges mit dem Rothaargebirge als Sauerland.

Im Norden geht das Sauerland in die Soester Börde über, im Süden ins Wittgensteiner- und ins Siegerland, im Osten ins Eggegebirge und im Westen ins Bergische Land. Vereinfacht betrachtet kann man allerdings sagen: Das Sauerland erstreckt sich über das Einzugsgebiet der Ruhr. Die verhältnismäßig dünn besiedelte Region lockt vor allem mit Naturparks und anderen Landschaften, die wie gemacht sind für Freizeitaktivitäten aller Art. Große Teile der Mittelgebirgslandschaft im Sauerland überziehen Buchen- und Fichtenwälder, die sowohl zu kurzen Ausflügen wie auch zu anspruchsvollen Wanderungen einladen. Wirklich große Metropolen sucht man im Sauerland vergebens, dafür findet man viele beschauliche Kleinstädte. Das im östlichen Sauerland gelegene Brilon ist eine davon. Die ehemalige Hauptstadt des Herzogtums Westfalen steckt voller interessanter Bauwerke. Das Rathaus am Marktplatz, dessen Bau Anfang des 13. Jh. begann, zählt zu den bundesweit ältesten Rathäusern. Es diente im Laufe der Jahrhunderte unter anderem schon als Zunfthaus, Gildehaus der Hanse, Beköstigungsstätte für Durchreisende, Schule, Gefängnis, Museum und Rathaus. Fast ebenso alt wie dieses historische Gebäude sind der Petrusbrunnen auf dem Platz davor und die umstehenden Häuser, viele davon Fachwerkbauten. Auch Brilons ältester Sakralbau, die Propsteikirche St. Petrus und Andreas, entstand in dieser Zeit.

Beim Altstadtbummel kommt man an vielen weiteren geschichtsträchtigen Bauten vorbei. Doch Brilon ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch außergewöhnlich grün: Man kann tatsächlich direkt in der Stadt wandern, denn rund ein Drittel des kommunalen Gebietes bedeckt Wald. Wem das nicht genügt, der kann von Brilon aus zu ausgedehnten Touren starten. Mit Rothaarsteig, Sauerland-Waldroute und Briloner Kammweg treffen sich in Brilon einige der populärsten Sauerland-Wanderwege. Apropos Wanderwege: Viele führen gut ausgeschildert zu besonderen Highlights. So stößt man auf dem „Borberg-Rundweg“ auf Überreste uralter Wallanlagen, wandert auf dem „Hochsauerland-Kammweg“ über den Kahlen Asten, entdeckt auf dem „Rundwanderweg Burg Altena“ eine der faszinierendsten deutschen Höhenburgen oder kann an der Attendorner Tropfsteinhöhle zu Fuß zum Biggesee aufbrechen. Sicherlich begeistert das Sauerland Wandermuffel ebenso. Die meisten der Herrenhäuser, Schlösser und Burgen sowie diverse Höhlen erreicht man schließlich auch bequem mit dem Auto. Und Städte wie Iserlohn, Lippstadt, Hemer, Arnsberg, Lüdenscheid, Erwitte, Meschede, Korbach oder Drolshagen natürlich sowieso.